Diskussionen

Hier der Text von mir zur Ausstellung Eurer Bilder am letzten Mittwoch:

 

(Theresia de Jong) und (Chyong – Yiyu)

Wasserlandschaften

BSP: Monika, Zekija

Wasser ist das weibliche Element schlechthin. Es ist weich und passt sich an, und doch ist es in seiner Wirkung kaum zu überbieten. Wasser findet Wege, die nicht ohne weiteres sichtbar sind. Wasser und Gefühl gehören untrennbar zusammen. Zu Beginn der Schöpfung kamen wir aus dem Wasser. Als Kind, das zur Welt kommt, waren wir neun Monate vom Fruchtwasser umgeben. Wasser ist der Ort, an dem Leben beginnt. Wasser ist reinigend – sowohl äußerlich, als auch innerlich. Wasser von guten Quellen wirken heilend auf den unterschiedlichsten Ebenen. Nur einfach ruhig am Wasser zu sitzen und seinen Geist und seine Seele ganz ins Wasser eintauchen zu lassen, ist einer Meditation vergleichbar.

Im Wasser leben die Wassergeister. Die Mütter zahlreicher Götter des Altertums waren Nymphen, die aus dem Meer geboren wurde. Wasser und Liebe stehen in engem Zusammenhang. Bei beiden geht es um Hingabefähigkeit, Geschehenlassen, Empfangen, aber auch um Leidenschaft und Wildheit. Mit jeder Liebe erneuert sich das Leben, ebenso wie Wasser die Kraft zur Regeneration besitzt. In der Psychoanalyse ist Wasser das Symbol der menschlichen Seele.

Die Tiefe des Wassers gleicht der Tiefe der Seele, in der die geheimnisvollen Kräfte des Unbewußten verborgen sind.

Bäche und Flüsse

BSP: Charlotte, Steffi, Brigitte, Ingelin, Gundula

Flüsse bringen selbst in hektischen Großstädten einen Hauch von Unberührtheit und Ruhe. Gerade für Großstadtmenschen können Flussufer Orte der Selbstbegegnung sein.
Stets bilden die Flusswasser, die durchquert werden müssen, zugleich eine Grenze und ein Bindeglied zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Dabei fungiert das Wasser als Übergang zwischen Kommen und Gehen und Wandel zwischen Zeit und Raum.

Der Konfuzianismus ordnet dem Wasser ethisch- moralische Qualitäten zu: „Er gibt nach überall und ohne Selbstsucht: darin gleicht er der Tugend. Wohin er kommt, dort entsteht Leben: darin gleicht er der Menschlichkeit. Wenn er nach unten fließt, passt er sich an und folgt den Linienzügen der Landschaft: darin gleicht er der Klugheit. Ohne Zögern stürzt er sich in hundert Klafter tiefe Schluchten: darin gleicht er der Tapferkeit. Er durchwirkt das Schwache und durchdringt das Feine: darin gleicht er der Erkenntniskraft. Ohne sich zu beklagen, nimmt er üble Dinge in sich auf: darin gleicht er der Verträglichkeit. Was unrein in ihn kommt, das tritt frisch und sauber wieder aus ihm heraus: darin gleicht er der Verwandlungskraft. … Deswegen: Wenn ein Edler einen großen Fluss sieht, dann betrachtet er ihn.“

Das Meer

BSP: Hartrud, Ursel, Barbara, Nanette, Hilke, Marie, Ellen, Jutta, Hella, Christine

Über 2/3 der Erdoberfläche besteht aus Ozeanen und Meeren – so wie auch unser Körper zu 2/3 aus Flüssigkeit besteht. Das Leben auf der Erde kam aus dem Meer. Das Meer ist das Sinnbild für die universelle Seele aus dem einst alles Leben, alles Bewußtsein kam. Das Meer ist mit seiner Unermesslichkeit das Bild für die Grenzenlosigkeit unserer seelischen Affekte und Erlebnisse und gilt vor allem im Traum als Spiegelung unserer Zustände, Gefühle und Stimmungen. Aber das Meer zeigt uns auch, wie stark die Erde von kosmischen Kräften berührt wird. Die Mondkraft erinnert an das ständige Werden und Vergehen. Es ist eine Erinnerung oder auch Zeichen des zyklischen Zeitrades. Auch wir Menschen sind in diesen Zyklus eingebunden,

Interessant ist auch, dass der Mond die Erde anzieht. Die an sich recht dünne Erdkruste hebt und senkt sich im Rhythmus der Mondnähe. Das Meer kann ruhig und einladend sein, die Wellen können sanft am Strand auslaufen, aber es gibt auch wilde, stürmische Tage, wo das Wasser wüst an den Küsten nagt und Teile des Festlandes überflutet. Das zerstörende Element ist Teil des Meeres. Es nimmt und verändert ohne Unterlass. Aber auch das ist Teil des Lebens. Ohne das Ende des Alten kann Neues nicht entstehen. Aus diesem Grund symbolisiert das Meer auch immer wieder Geburt und Neuanfang.

Der See

BSP: Steffi, Heidi, Brigitte

Die Stille und Ruhe eines Sees oder Teichs, dessen Oberfläche die umgebende Landschaft spiegelt, richtet sich auf eine innere Versenkung. Die Spiegelungen des Wassers, die später von den Impressionisten als Beweis für die Autonomie der Reflektionen betrachtet werden, dienen den Künstlern in der zweiten Hälfte des 19. Jhts, etwa Camille Corot und Ferdinand Khnopff, noch zur Bestimmung einer Seelenlage. In ihren lyrischen Landschaften der ruhenden, regungslosen Gewässer scheint die „romantisierte Vorstellung von Glück mit Stille und Anhalten von Bewegung verbunden.“ Die Wasseroberfläche verstärkt in ihrer schimmernden Glätte die märchenhafte Stimmung und umschließt in ihrer klaren Spiegelung Licht und Schatten, Himmel und Erde. In dieser, eine Ganzheit darstellenden „Selbstumarmung der Natur“ wird das Wasser zur Methapher für die „metamorphosische Potenz“ und den sich selbst generierenden Ursprung der Natur.
Der französische Kulturwissenschaftler Gaston Bachelard charakterisiert die Spiegelfläche des Wassers als eine „Verwandlung“ unseres Spiegelbildes in Natur. In dem Spiegel aus natürlichem, lebendigem Wasser, anders als der aus starrem Glas oder Metall, wird die Einbildungskraft zum Teil der Natur, damit das wirkliche Leben einen neuen Aufschwung nimmt.
Die glatte Oberfläche ist einem natürlichen Spiegel vergleichbar. Er ermöglicht dem Menschen erstmals, sein eigenes Bild wahrzunehmen.

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